Martin Schindler

 

Wie auf einem Röntgenscanner bei der Gepäckkontrolle am Flughafen schichtet und verschränkt der Zeichner Martin Schindler seine Bildkörper auf dem Blatt. Sie bleiben fast immer geisterhaft transparent, mal grafisch komprimiert und dreidimensioniert, mal federleicht und flach. Er staucht und kulminiert das für ihn Wesentliche zeichnerisch zu Ballungszentren, geht hier ins Detail und schafft technoide Intarsien von betörender Dichte.

Oft scheinen ihn die Formate seiner Blätter rechts und links zu begrenzen – gerne denkt und arbeitet er dann über den Rand hinaus. Schindler zeichnet mit Finelinern, Kugelschreibern, Farb-, Blei- und Faserstiften. Seine Motive sind freilich farbiger als Röntgenbilder, weitaus dynamischer und komplexer. Zunächst sind es Busse, Bahnen und Flugzeuge, die ihn interessieren; er zeichnet selektive Momente aus dem städtischen Gewühl, vereinzelt auftauchende Gestalten, Tiere und Gebäude, oftmals Kirchtürme, eingeschrieben in einem Netzwerk aus Schienen, Stromleitungen und Ampelanlagen.

Es ist hell in Martin Schindlers Szenerien - dennoch leuchtet und flackert es, als wäre es tiefe Nacht. Schindler spickt seine Bilder mit Andeutungen von Lichtquellen. Die Flugzeuge blinken mit hellen Positionsleuchten, Ampeln brennen, Scheinwerfer und Blaulichter von Fahrzeugen leuchten und die Stromabnehmer der Bahnen verursachen grelle Funken beim Kontakt mit den Oberleitungen.

Schindler arbeitet sowohl frei, als auch nach Vorlagen. Letztere sammelt er in Form von Zeitschriften, Broschüren und anderen Bildträgern oder er lässt sich seine Motive gezielt ausdrucken. Flugreisen mit seinem Vater, die ländliche Idylle in seiner zweiten Heimat Kufstein und zahlreiche, alltägliche Spaziergänge prägten ihn in der Vergangenheit, schärften seinen Blick, und so ließ er in der Folge keinen Zweifel an der Dringlichkeit seines Outputs. Gemessen an seinem Alter und seinen bisher weitgehend autodidaktischen Prozessen, ist Schindler künstlerisch von bestechender Kompromisslosigkeit. 

Martin Schindler wurde 1999 in Wien geboren. Nach dem Abschluss auf einer Waldorfschule besuchte er die Kunstgruppe der Caritas-Tagesstätte Rannersdorf bei Wien. Schindlers zeichnerische Arbeit wurde zuvor schon frühzeitig in seiner Familie unterstützt. In Rannersdorf fand Schindler die Möglichkeit, seinen Stil weiterhin frei und ohne kunstpädagogisch beeinflusste Richtungswechsel zu entwickeln. 2020 wurde die Wiener Kunst- und Ausstellungsplattform Atelier 10 auf ihn aufmerksam und präsentierte erstmals eine Auswahl seiner Arbeiten.