Calinya


Calinyas phantastische Welten stehen in einem ständigen Wechselspiel zwischen Märchen und Horror – überraschende mystische, grausame, detailreiche Parallelwelten, in denen elfen-, gnom-, teufel- oder hobbitartige Fantasiefiguren oder Mischwesen zum zentralen Sujet werden.
Mit einer Auswahl an figurativen Motiven spannt Calinya einen Bogen über Kunstgeschichte, ausgehend von Reliefs, über 'Renaissance'-Kompositionen bis hin zu digital animierten Bildern, mit einer ganz eigenen surrealistischen Ästhetik, die ebenso von mythologischen Geschichten und Wesen inspiriert zu sein scheint.
 
Calinya malt mit Öl und Acryl, auf unterschiedlich großen Leinwänden, szenisch prall gefüllte Bilder. Alte durchwachsene, asiatische Bäume, ein Schneckenhaus mit Warzen, Mischwesen aus Tieren und Pflanzen, mittelalterliche verschrobene Architekturen, dazwischen Seen aus Blut, herumkullernde Augen, ein Schachbrett, Kraken, Fliegenpilze - die Bilder erzählen komplexe, genreübergreifende Geschichten.
Man erkennt das Dargestellte auf den ersten Blick – doch der Schein trügt: die Körper sind seltsam geformt, gefangen in einer obskuren bizarren Kulisse: eine Mystery- Heavy Metal- Tattoo Offensive in einem goth- comic- Surrealismus-Universum.
 
Diese Dichte und Kompaktheit findet sich auch in der malerischen Geste, sowie der Farbauswahl wieder. Die Intensität der sehr dunklen Farben mit Giftgrün und Rot vermittelt ein düsteres, fast toxisches und zugleich sinnliches Gefühl.
Durch die Größenverhältnisse, dem Proportionenspiel, die Farbwahl, die sich zum Teil überlappenden reichen Details, die scheinbar beliebige Zusammenstellung von Fantasiefiguren und Universen kommt es regelrecht zu Störfaktoren in den Bildern.
 
Calinyas Skulpturen sind ebenso detailreich wie ihre Malereien und Zeichnungen. Mit Bedacht auf die Ausführung und einer Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit, sehen sie aus, als wären sie liebenswürdig maßstabsgetreue verkleinerte Modelle für ein Gruselkabinett.

Das Sehen, der Blick ist ein wiederkehrendes Thema in Calinyas Arbeiten. Ob Augen frei herumkullern oder ihre Figuren oft zig Augen an den unmöglichsten Stellen haben, sie blicken die Betrachterin / den Betrachter oder einander an.
 
Das Besondere an Calinyas Werk ist die scharfe und anspielungsreiche Verbindung einer über Jahrhunderte reichenden Bildgeschichte, sowie einer traditionellen Maltechnik mit dem weiterhin hochaktuellen Thema der Bildproduktion im digitalen Zeitalter. Sie schafft mit ihren Malereien eine Art Allegorie auf Datenspeicher wie das Internet: einen Informationscontainer, einen Ort sowohl der Parallelität als auch des Übermaßes. Eine intensive Gesamtästhethik, die übertreibt, ineinander verschmilzt, manchmal an Hässlichkeit grenzt und in den Augen schmerzt.