Peter Kapeller


Raubritter und Nazischergen, Jesus am Kreuz, Psychiater, Sex- und Hinrichtungsszenen, historische Gestalten und anonyme, maskenhafte Gesichter. Dazwischen vereinzelte Architekturschnipsel oder ganze Stadtansichten, technisch detaillierte Wiedergaben von Maschinen, grobkonturierte Wortfetzen, feine Inschriftierungen und ganze Textblöcke - gebunden durch eine Textur winziger Partikel, Haken, Würmer und Alltagsgegenstände in mikrobischer Dichte und Ausbreitung.

KAPELLER inszeniert. Kapeller sagt, wenn er zeichne, gäbe er sich der Illusion hin, er habe ein Publikum. Und so sind seine Darstellungen eine schonungslose Nabelschau, angereichert in einem widerspenstigen sozialen Kosmos und aufbereitet für dieses Publikum, das er zum Staunen bringen möchte. Ihn bewegt die Unzulänglichkeit menschlicher Anlagen, die Niedertracht und die Aussichtslosigkeit gesellschaftlicher Systeme. Sein eigenes "g'schissenes Leben" definiert er als Minenfeld, eingebettet in globale Szenarien voll sozialer Ignoranz und Fehlleistungen. Wenn Kapeller zeichnet, dann bringt er alles, was er verabscheut und was ihn maßlos ängstigt in Position. Er setzt es grafisch in Szene und möchte dabei niemals moderat sein oder freundlich, nicht sympathisch oder gar opportun. Kapeller bietet seinen Ressentiments eine Bühne und scheut sich nicht, seine Empörung mit der epischen Wucht eines Beschwerdechors auf Papier zu bringen.

Peter Kapeller wurde 1969 in Wien geboren. Nach Abschluss der Hauptschule begann er eine Lehre als Sanitärtechniker, die er aber nach einer Erkrankung und ersten Psychiatrieaufenthalten abbrechen musste. Kapeller hatte bereits in jungen Jahren Zugang zur Kunst gesucht; auch in dieser, von Spitalsaufenthalten geprägten Phase seines Lebens, malte und zeichnete er weiter. Als er 1995 eine kleine Wohnung bezog, machte er seine ersten Großformate und begann Kupferplatten für Druckgrafiken zu bearbeiten.

Kapellers Arbeiten sind Ergebnisse hartnäckiger autodidaktischer Prozesse. Er experimentiert viel, "misshandelt das Material", wie er sagt und passt es seinen Bedürfnissen an. Seine bevorzugten Instrumente sind Pinsel, Tuschefüller und kleinere, zu Stempeln umfunktionierte Objekte; meist arbeitet er mit Mischtechniken, Tusche, farbigen Tinten, Tempera, Kugelschreiber.

Obgleich er sich bis heute nicht mit der schäbigen Oberfläche und der als argwöhnisch empfundenen Umgebung seines Wohnblocks abgefunden hat, knüpft er hier mit großer Beharrlichkeit an sein Ziel an, als Künstler differenziert bewertet und jenseits der `Zustandsgebundenheit´ wahrgenommen zu werden - und letztlich auch zu reüssieren.

Die Caritas unterstützt ihn bei diesem Prozess. Mit ihrer Hilfe konnte Kapeller seine Arbeiten für den internationalen Kunstpreis Euward 2010 einreichen. Kapeller gewann diesen Preis. Die Galerie Christian Berst vertritt ihn seitdem exklusiv in Paris und in der Kunstzeitschrift Raw Vision erschien 2011 über ihn ein Artikel (siehe unten). Peter Kapeller arbeitet mit Vorliebe in privater Umgebung und in der Nacht. Das ATELIER 10 archiviert, dokumentiert und präsentiert seine Werke und koordiniert für ihn seine Kontakte.


> Link: Raw Vision #74
> Download: "Protest PK", über Peter Kapeller in Raw Vision #74. Full Version in English. ©Florian Reese