Michaela Polacek


Im Jahr 2000 begann Michaela POLACEK erstmals sich mit künstlerischen Techniken zu befassen; zunächst mit einfachen Aufgaben wie Mandalas oder Hinterglasmalereien. Sehr rasch wechselte sie auf freiere künstlerische Ebenen, entfernte sich von gestalterischen Vorgaben und kurzweiligen Techniken, entdeckte für sich Tusche und Fineliner und reduzierte ihre grafischen Mittel auf das für sie Wesentliche. Sie entwickelte verschiedene zeichnerische Spielarten, Serien, es entstanden einige hundert kleinformatige Illustrationen von eigenartigen Figuren und Charakteren in abstrusen Momenten. Polacek begann mit geometrischen Strukturen und Mischtechniken zu experimentieren, spielte mit Koffer- und Koppelworten und baute sie in ihre Zeichnungen ein. Ohne Rücksicht auf prätentiöse Pointen oder transparente Handlungsebenen entstanden Bildgeschichten, verschroben, komisch, poetisch.


Michaela Polacek, geboren 1972 in Wien, arbeitete nach einer kaufmännischen Lehre fünf Jahre als Bürokraft. Nicht sonderlich beeindruckt von ihren beruflichen Aussichten und der bürgerlichen Ernsthaftigkeit ihres Daseins, suchte sie nach einem Positionswechsel – sie kündigte ihre Stelle für ein Jahr und machte den Flugschein für `Einmotorige´. Nach dem beruflichen Wiedereinstieg jedoch erkrankte sie 1998.
Um ihre begonnene zeichnerische Tätigkeit aus ihrem häuslichen Rahmen zu heben, wagte Polacek 2002 den Schritt nach außen und besuchte für einige Jahre das offene Atelier Gugging, wo ihre Arbeiten erstmals wirkliche Wertschätzung erfuhren. Hier entwickelte sie viele ihrer schnellen, kleinformatigen Serien. Zwischenzeitlich zog sie sich wieder zurück und organisierte sich in ihrer Küche eine Zeichenecke.


Im Januar 2012 richtete sich Polacek einen Arbeitsplatz im ATELIER 10 ein. Mit dem Ortswechsel stellte sich auch eine beinahe abrupte Ausdehnung ihrer grafischen Dimensionen und Formate ein. Polacek arbeitet mittlerweile minutiös an komplexen Gebilden auf Formaten zwischen DinA3 und 220x100cm. Während ihre früheren Illustrationen zumindest im Ansatz einen `angewandten´ Charakter haben, kontaminiert sie gegenwärtig Figuren und Objekte, Gerüche, Geräusche und Bedürfnisse in freien Assoziationsketten zu aufwendigen Gebilden mit der barocken Dichte von Pestsäulen. Polacek arbeitet weiterhin bevorzugt mit unterschiedlichen Finelinern, Tuschfüllern und Markern. Heute zeichnet sie dicht, ausdauernd, täglich, sie führt regelrechte Kämpfe gegen einschleichenden Gefälligkeiten und Harmonien und die Gefahr indifferenter Opulenz ihrer eigenen grafischen Mittel.

Michaela Polacek nutzt die Plattform des ATELIER 10 auch für eine erstmalige ausführliche Präsentation ihrer Arbeit.