Konzept


Kunst benötigt Raum; bisweilen viel davon. Der allgemeine Kulturbetrieb schafft sich traditionell diese Räume, um außergewöhnliche Qualitäten Einzelner für die Gesellschaft sichtbar und würdevoll in Szene zu setzen. Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit der KünstlerInnen, sich künstlerisch günstig zu positionieren, um von Akademien, KuratorInnen, KritikerInnen, KünstlerkollegInnen und letztlich einem größeren Publikum wahrgenommen zu werden.

Um jenen KünstlerInnen Raum zu bieten, die sich aus ihrer sozialen Randlage heraus nicht ausreichend selbständig in einen kulturellen Kontext begeben können und damit nur geringe Chancen haben, über ihre künstlerische Leistungsfähigkeit wahrgenommen zu werden, gründete die Caritas der Erzdiözese-Wien das ATELIER 10.

Die gesellschaftliche Außenseiterrolle, die viele der Menschen einnehmen - ihre Erkrankung oder Behinderung - wird im ATELIER 10 aus künstlerischer Sicht nicht weiter thematisiert. Etablierte Begriffe wie Outsider Art, Selftaught Art oder Art Brut werden nicht angewendet. Sie haben zwar eine historische Bedeutung, sind aber durch ihre Eigenschaft, weder für einen bestimmten Stil, noch für eine zeitlich abgrenzbare Schaffensphase zu stehen, nur von begrenzter Aussagekraft. Das individuelle Schaffen der einzelnen KünstlerInnen wird also den bestehenden Kategorien klar übergeordnet. Die KünstlerInnen stehen aber auch über der Rolle des Ateliers, als vermeintlich egalisierende und stilprägende Institution.

Die Kunstvermittlung im ATELIER 10 geht grundlegend davon aus, dass eine technische und kunsthistorische Schulung nur eine von mehreren Wegen ist, eigene künstlerische Ressourcen zu erkennen und zu trainieren. Der autodidaktische Weg birgt die Chance, zu einer von edukativen Einflüssen weniger bestimmten, unorthodoxen Bild- und Textsprache zu gelangen - oftmals wird dieser Weg unterschätzt oder bleibt im Verborgenen.

Ziel ist es, die Arbeit der KünstlerInnen nicht über ihre soziale Randlage zu definieren, sondern gerade die Kunst als das wohl einzige Metier zu begreifen, das tatsächlich weitgehend barrierefrei ist. Ein Mensch mit einer intellektuellen Beeinträchtigung begibt sich über seine Arbeit auf Augenhöhe mit anderen KünstlerInnen. Maßgebend ist, hier wie dort, alleine ein überdurchschnittliches Talent und die spezifische Fertigkeit, dieses in für andere wahrnehmbare Formen zu bringen.

Somit schließt das ATELIER 10 eine gesellschaftliche Lücke: Als professionelle künstlerische Einrichtung wird Menschen aus sozialen Randgruppen Kompetenz und Autonomie vermittelt. Hieraus ergibt sich mittelfristig das Ziel, Zeichen zu setzen und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Die Lage des ATELIER 10 in der Brotfabrik bekräftigt die Ambitionen, sowohl als wertvoller Teil eines Kulturzentrums wahrgenommen zu werden, als auch einen Beitrag zur Bereicherung des Kulturangebots in Favoriten, dem 10. Gemeindebezirk Wiens zu leisten.